Schwanger Ü40: Welche Risiken erhöhen sich denn nun wirklich?

Als Frau über 40 und damit automatisch Risikoschwangere fragst du dich wahrscheinlich, welche Risiken du denn jetzt durch deine Schwangerschaft auf dich nimmst. Mir ist und war immer wichtig, mich möglichst sachlich zu informieren, um mein persönliches Risiko besser einschätzen zu können.

Bluthochdruck/Präklampsie

Aufgrund deines Alters erhöht sich das Risiko, dass du während der Schwangerschaft einen erhöhten Blutdruck bekommst. Generell erhöht sich bei allen Schwangeren das Blutvolumen, was deinen Blutdruck schon beeinflussen kann. Deswegen wird bei den üblichen Vorsorgeuntersuchungen auch immer der Blutdruck gemessen. Weitere Risikofaktoren für einen Bluthochdruck sind Übergewicht und andere Stoffwechselstörungen wie ein erhöhter Cholesterinspiegel und Diabetes.

Durch eine Umstellung des Stoffwechsels in der Schwangerschaft und das erhöhte Blutvolumen kann es zu einer Präklampsie kommen, die definitiv behandlungsbedürftig ist. Die Symptome sind ein Blutdruck von über 140/90 mmHg (wobei der diastolische Wert der wichtigere ist) und erhöhte Mengen Eiweiß im Urin (deswegen wird unter anderem bei den normalen Vorsorgeuntersuchungen auch dein Urin untersucht).

 

Diabetes:

In der 2. Schwangerschaftshälfte braucht die werdende Mutter mehr Energie, deshalb setzt der Körper vermehrt Glucose frei, die durch das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin den Zellen zur Verfügung gestellt werden muss. Bei einigen Schwangeren kann die Bauchspeicheldrüse diese Mehrarbeit nicht leisten, es kommt zu einem echten Insulinmangel.

Im ersten Trimester werden Hormone (u.a. HCG) vermehrt ausgeschüttet, die dafür sorgen, dass die Zellen auf den Insulinreiz sensibler reagieren.

Im 2. und 3. Trimester ändert sich die Zusammensetzung der ausgeschütteten Hormone und die Zellen werden immer insulinresistenter. Kann der Blutzuckerspiegel dann trotz ausreichend Insulin nicht gesenkt werden, handelt es sich um einen relativen Insulinmangel.

Normalerweise kommt der Stoffwechsel der werdenden Mutter gut mit diesen Veränderungen klar, es gibt aber ein paar Faktoren, die das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes erhöhen:

-Übergewicht

-Diabetes in der Familie

-das eigene Geburtsgewicht der Schwangeren oder das vorangegangener Kinder >4000g

-wiederholte Fehlgeburten

– Kortisoneinnahme während der Schwangerschaft

– Alter der Schwangeren > 35 Jahre

 

Ein Gestationsdiabetes ist an sich symptomlos, aber in jedem Fall behandlungsbedürftig, da es sonst zu einem abnormen Wachstum des ungeborenen Kindes und zu einer starken Zunahme der Fruchtwassermenge kommt.

In der 24.-28. Woche wird ein Screening gemacht. Die Schwangere trinkt eine Lösung mit 50g Glucose und nach einer Stunde wird der Blutzuckerspiegel gemessen. Liegt der gemessene Wert außerhalb der Toleranzgrenze, wird der sogenannte Glucosetoleranztest gemacht. Die Schwangere nimmt dafür nüchtern eine Glucoselösung zu sich und der Blutzuckerspiegel wird sowohl nach 1 als auch nach 2 Stunden bestimmt. Ist auch dieser Test auffällig, wird eine entsprechende Behandlung begonnen.

 

Thrombose:

Zum einen nimmt in der Schwangerschaft die Blutgerinnung zu (als Schutz der Frau vor dem Blutverlust unter der Geburt) und zum anderen fließt das Blut in den Venen langsamer zum Herz (durch die Zunahme des Blutvolumens und die Vergrößerung der Gebärmutter).

Das Risiko für eine Thrombose erhöht sich in der Schwangerschaft um das 10fache, ist allerdings in den ersten Wochen nach der Geburt am höchsten.

Eine Thrombose erkennt man an:

-Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im Bein

-Schmerz wird schlimmer beim Gehen oder wenn die Fußspitze angezogen wird

-Venen am Bein sehen größer aus

Der beste Schutz vor einer Thrombose sind Kompressionsstrümpfe. Aber es ist auch wichtig, die Beine regelmäßig hochzulagern und ausreichend zu trinken.

 

Trisomie 21:

Die Eizellen einer Frau sind etwas älter als sie selbst, da sie bereits vor der Geburt bei einem Mädchen angelegt werden und nicht immer wieder neu gebildet werden. Daher steigt im Laufe der Zeit bei einer Frau das Risiko für eine Chromosomenfehlbildung an. Allerdings liegt das statistische Risiko für Trisomie 21 bei einer Frau um 35 bei 0,3%, mit 40 Jahren steigt es auf 1% und mit 46 Jahren auf 5%. Meine Frauenärztin sagte mir bereits bei meiner ersten Schwangerschaft mit den Zwillingen, dass Trisomie 21 nur einer von vielen möglichen Gendefekten sei und man immer beachten solle, dass es auch zu Behinderungen nach der Geburt kommen kann.

 

Fehlgeburten:

Rein statistisch erhöht sich bei einer Schwangerschaft Ü40 das Risiko für eine Fehlgeburt, allerdings vor allem dann, wenn es sich um die erste Schwangerschaft der Frau handelt.

Die meisten fehlerhaften Befruchtungen gehen aber innerhalb der ersten Zeit ganz natürlich ab, so dass die Frau oftmals gar nichts davon merkt.

 

Bei allen genannten Risiken handelt es sich um Statistik, wo rein das Alter der Schwangeren betrachtet wird und nicht ihre individuelle Situation, die sicherlich immer eine entscheidendere Rolle spielt. Natürlich tröstet das nicht, wenn man persönlich betroffen ist, denn bei aller Statistik muss man immer bedenken, dass es sich um Menschen und nicht um Fallbeispiele handelt.

 

Mir ist es wichtig, dass du als Schwangere weißt, welche Risiken es gibt, dass du sachliche Informationen bekommst und dann mit deinem Arzt/deiner Ärztin, deiner Hebamme und deiner Familie dein individuelles Risiko besser einschätzen kannst und dir keine unnötigen Sorgen machst.

Hör auf dein Bauchgefühl (im wahrsten Sinne) und nimm die Signale deines Körpers ernst, ohne dich verrückt machen zu lassen.

 

Denn auch Ü40 darfst du deine Schwangerschaft genießen und dich auch einfach mal nur auf dein Baby freuen.

 

Ich freue mich über deine Kommentare, Anregungen und deine Erfahrungen.

Unterschrift Ann-Katrin

Von |2017-11-03T19:11:40+00:00Oktober 26th, 2017|Glück und Gesundheit|0 Comments

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